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Hochtaunus

 

ÖPNV im Hochtaunuskreis

Nahverkehrsplan Hochtaunus

Auszug aus dem Netzplan Hochtaunus
© Heinz-Peter Curdts


 
 
Mit Bus und Bahn in die Zukunft
Taunus-Zeitung vom 09.11.2010 - Von Matthias Pieren
 
Hochtaunus. Die Vorbereitungen auf den Hessentag im kommenden Jahr haben Oberursel in eine einzige Baustelle verwandelt. An vielen Stellen wird derzeit gewerkelt – und davon ist auch der U- und S-Bahn-Verkehr nicht ausgenommen. «Oberursel setzt auf ein attraktives ÖPNV-Angebot und investiert dafür in erheblichem Umfang», teilt Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) mit: «Bis zum Hessentag werden alle U- und S-Bahn-Stationen sowie der Bahnhof behindertengerecht ausgebaut sein.»
Die aus der Frankfurter Innenstadt kommende U 3 macht gleich zwölf Mal in Oberursel Station. Damit hat sie für die Brunnenstadt die Bedeutung einer Pulsader, die sich fast durch die ganze Stadt zieht. Die U 2 wird diesen Stellenwert in Bad Homburg nicht erreichen. Aber auch die geplante Verlängerung der Linie von der Endstation Gonzenheim bis zum Bahnhof der Kurstadt ist ein Lückenschluss mit Potenzial. Über 3000 neue Kunden täglich erhofft man sich von dem Großprojekt, für das allein Bad Homburg 24 Millionen Euro investieren müsste.
Damit ist die U 2-Verlängerung aber noch lange nicht das kostspieligste ÖPNV-Vorhaben der näheren Zukunft. Mit der Regionaltangente West (RTW) steht ein Großprojekt, das auf 500 Millionen Euro taxiert wird, ganz oben auf der Wunschliste der Städte im Vordertaunus. Derzeit wird von der RTW-Planungsgesellschaft die Finanzierung und Machbarkeit einer direkten Streckenführung von Bad Homburg über Oberursel, Steinbach und Höchst zum Frankfurter Flughafen geprüft.
«Die Regionaltangente West, das bedeutendste Verkehrsprojekt der Region, und der Weiterbau der U 2 schließen Lücken im Schienennetz. Beide Projekte sind richtige Weichenstellungen für den zukünftigen Nahverkehr. Sie verbessern nicht nur das Angebot für die Menschen, die in Frankfurt und den Nachbarstädten leben. Sie werden unsere Region auch wirtschaftlich stärken», ist Bad Homburgs Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) überzeugt. Und auch Oberursels Rathauschef Hans Georg Brum (SPD) will sich dafür einsetzen, dass diese als «Quantensprung im ÖPNV» gelobte Verbindung noch in diesem Jahrzehnt realisiert wird. Zuletzt war von einer Fertigstellung im Jahr 2018 die Rede.
«Die direkte Anbindung des Vordertaunus an den Flughafen wäre ein wichtiges Argument für die Bürger, vom Pkw auf den ÖPNV umzusteigen», meint auch Friedrichsdorfs Erster Stadtrat Norbert Fischer (CDU). Zwar werde immer von Bad Homburg als Anbindungspunkt gesprochen. Aber auch für Friedrichsdorf und die übrigen Städte und Gemeinden entlang der Taunusbahn sei die RTW von großer Bedeutung.
Schnellbus im Weiltal
Für das Weiltal hat Weilrods Bürgermeister Axel Bangert (SPD) jüngst eine innovative Idee in die Diskussion gebracht, die er nun auf Anfrage der TZ konkretisierte. «Eine Schnellbuslinie von Weilburg und Weilmünster über Weilrod, Schmitten, Oberursel nach Bad Homburg würde die Attraktivität des ÖPNV im Weiltal enorm steigern», verriet Bangert sein Lieblingsprojekt.
Die bisherige Linie 50 würde dabei durchgehend auf der Weiltalstraße verkehren, ohne zusätzliche Ortsteile der Gesamtgemeinden anzusteuern. Als Parallelverkehr zur Taunusbahn könne für eine solche Schnellbuslinie an den wichtigsten Haltestellen ein Park-&-ride-Angebot für Berufspendler geschaffen werden.
Eine Expressbuslinie 50 käme durch die Anbindung an die U 3 an der Oberurseler Hohemark ebenso dem Taujus-Tourismus zugute wie ein weiterer Vorschlag aus Wehrheim. «An den Wochenenden könnte eine Buslinie von Bad Homburg über die Saalburg sowohl die Lochmühle und den Wehrheimer Bahnhof als auch den Hessenpark ansteuern», schlägt Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) vor. Eine solche Busverbindung könne aber auch Menschen aus dem Usinger Land mit dem Bus direkt zum Kurhaus nach Bad Homburg bringen. Unterstützung bekommt er dabei von Bad Homburgs ÖPNV-Dezernent Peter Sothmann (CDU). «Sofern eine finanzielle Möglichkeit – auch durch Beteiligung des VHT – besteht, wäre eine Ausweitung des Bad Homburger Stadtbussystems auf touristische Ziele wünschenswert», sagt Sothmann.
Die ÖPNV-Wunschliste der Bürgermeister aus dem Usinger Land fällt insgesamt aber recht bescheiden aus. So bringt etwa Usingens Bürgermeister Steffen Wernard (parteilos) lediglich eine weitere Haltestelle der Taunusbahn im Gewerbegebiet ins Spiel. Schmittens Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) wünscht sich verbesserte Takte im (Schul-) Busverkehr. «Für eine ländliche Gemeinde wie Schmitten ist der ÖPNV vor allem für ältere und jüngere Menschen existenziell», so Kinkel.
Generell wissen die Bürgermeister aber um die finanziellen Möglichkeiten des VHT und schrauben ihre Ansprüche zurück. Für Neu-Anspachs Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) wäre eine Ausweisung des ÖPNV-Angebots manchmal gewiss wünschenswert. «Doch der VHT stößt an seine Grenzen. Schon heute liegt das Defizit, also der Zuschuss an den VHT, im sechsstelligen Bereich», so Hoffmann. «Obwohl die Akzeptanz in manchen Zeitzonen nicht so hoch ist, muss das Angebot dennoch aufrechterhalten bleiben.»
Auch Kinkel verweist auf den «hoch defizitären Haushalt des VHT» und fragt sich, welche Leistungspakete künftig überhaupt noch aufrechterhalten werden können. «Der Verband macht jedes Jahr Schulden, die der Kreis tragen muss. Dies wird auf Dauer nicht so weitergehen können, was zur Folge haben wird, dass die Umlagen der Kommunen erhöht werden müssten.»
Mit der U 6 nach Steinbach
In Steinbach und Kronberg liebäugelt man derweil mit Verbesserungen auf der Schiene – immerhin könnte die U 6 von Hausen aus entlang dem Steinbach weitergeführt werden. «Die Anbindung Steinbachs an die U 6 wäre wünschenswert. Das Projekt wird derzeit geprüft. Kosten und Bezahlung sind aber völlig offen», verrät Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP) seine Vision für seine Stadt – und findet darin Unterstützung im Kronberger Rathaus.
«Eine Verlängerung der U 6 bis Kronberg-Oberhöchstadt ist eine Option, die die Stadtverordneten in ihrer Versammlung am 1. Juli beschlossen haben», meint Pressesprecher Claus Harbers. Die Federführung für dieses Projekt liegt aber bei der Frankfurter Verkehrsgesellschaft traffiq. Die Nahverkehrsgesellschaft aus Frankfurt bremst als Betreiber der U-Bahnen jedoch die Hoffnungen aus dem Vordertaunus. «Es gibt noch keinerlei Planungen. Das sind nur Gedankenspiele», meint dazu traffiq-Pressesprecher Klaus Linek.

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